Suzhou River
Suzhou River
Suzhou River (Suzhou He)
China/Deutschland 2000 - 83 min. - Regie: Lou Ye
Der Fluss Suzhou, obwohl er mitten durch das Stadtgebiet des glitzernden Shanghai fließt, ist nicht gerade der Ort, an dessen Ufern sich die neureiche, erfolgsverwöhnte Elite der Metropole niederlässt. Eher sind hier Menschen wie Meimei (Zhou Xun) und ihr Freund, ein Auftragsfilmer, anzutreffen. Beide leben auf einem Hausboot und halten sich mit miserablen Jobs über Wasser. Ebenso wie die materielle Absicherung scheint auch die gegenseitige Zuneigung etwas Unsicheres, Flüchtiges zu sein; Meimei kommt und geht wie sie will in der Überzeugung, dass ihr Freund, der den ganzen Film als namen- und gesichtslose Stimme aus dem Off erzählt, sie ohnehin nicht vermissen oder gar suchen würde. Dieser Vorwurf ist Aufhänger für eine weitere Liebesgeschichte in der Liebesgeschichte, die Meimeis Freund als scheinbar objektiver Beobachter schildert: Mardar (Jia Hongsheng), ein junger Motorradkurier, stellt seinen Auftraggebern keine Fragen und transportiert, wofür er bezahlt wird. Unter anderem ist dies das Schulmädchen Moudan (ebenfalls Zhou Xun), die er auf Wunsch des Vaters umherkutschieren soll. Als Mardar von anderer Seite den Auftrag erhält, Moudan zu entführen, wird die Liebe, die sich zwischen den beiden entwickelt hat, dem Geschäft geopfert. Moudan stürzt sich daraufhin in den Fluss Suzhou, wird nie geborgen, weshalb Mardar unter Mordverdacht gerät. Doch nicht nur um seine 'Unschuld' zu beweisen sucht Mardar von da an ununterbrochen nach Moudan...
In seinem dritten Film portraitiert Lou Ye den modernen chinesischen Großstadtmenschen als isolierten Einzelkämpfer – immer auf der Suche nach dem nächsten Fluchtpunkt. Erlösung von dem tristen Dasein verspricht die Liebe, die jedoch angesichts von Orientierungslosigkeit und Flexibilisierungswahn keine wirkliche Chance zu haben scheint.
Shanghai wird dabei von dem Regisseur als grauer Sumpf aus Wohlstandsmüll und Beton präsentiert, in dem nur die bewusst klischeehaft gezeichneten Mädchenfiguren einen Lichtblick bilden. Dass auch die Suche nach Liebe und Schönheit letztlich oberflächlich ist und sich an austauschbaren Projektionsflächen orientiert, wird darin umgesetzt, daß Meimei / Moudan von der gleichen Schauspielerin dargestellt wird.
Letzte Änderung von Thomas Crone am 13.04.2008 um 11:47
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